… und was ist dahinter?

Weihnachten 1974:  unterm Christbaum liegt ein Taschenrechner  –  für mich?   Ich bin seinerzeit im Grundschulalter und obwohl das nun schon fast 50 Jahre her ist, kann ich mich noch daran erinnern, als ob es gestern gewesen wäre. Eine Maschine, die rechnen kann – für mich einfach unvorstellbar! Sie hat kleine rote viereckige Zahlen, die im Dunklen leuchten. Solche Zahlen habe ich noch nie vorher gesehen, aber sie zeigen tatsächlich die richtigen Ergebnisse an, zu den Rechenaufgaben, die ich in diesen faszinierenden Zauberkasten eingebe.

Und dieser superschlaue  –  mir noch etwas unheimliche  –  Apparat sollte nun gleich auf eine harte Bewährungsprobe gestellt werden! Und zwar mit einer absolut unlösbaren Aufgabe – wie ich damals geglaubt habe:   „5 minus 8“  galt es zu berechnen und ich war sehr gespannt, ja ich freute mich fast diebisch darauf, wie er mir seine  Niederlage nun eingestehen würde. Mit allem habe ich gerechnet:   Dass er gar nicht erst antwortet oder die Leuchtzahlen abschaltet, dass er anfängt zu rauchen oder gar explodiert. Alles mögliche hätte ich erwartet, aber eines ganz sicher nicht:       Ein Ergebnis!

Dieses überraschende Ergebnis hatte weitreichende Konsequenzen, denn es machte mich sehr nachdenklich! Aber dann ganz plötzlich –  mit einem Schlag eröffnete sich mir ein Zahlenraum, den ich vorher nicht kannte  und  –  ganz ehrlich  –  auch noch überhaupt nicht vermisst hatte:  Der Zahlenraum “auf der anderen Seite der Null”, oder – aus meiner damaligen  Sicht:  die ganzen Zahlen, die sich  “hinter der Null” versteckt hatten. Das war eines der ersten “Aha-Erlebnisse”  an das ich mich noch bewusst erinnern kann!  Und es sollte nicht das letzte sein…

Solche “Aha-Erlebnisse” gab es nämlich immer wieder, im Laufe meines Lebens, und zwar in den verschiedensten Situationen, oft bei den unmöglichsten Gelegenheiten. Und jedes Mal eröffnete sich dabei eine ganz neue Welt, eine Welt die ich zuvor noch nicht kannte, die für mich noch gar nicht vorstellbar war und die ich darum auch noch gar nicht vermisst hatte. In der Mathematik sind es neue Zahlenräume oder mehrdimensionale topologische Räume, die sich uns erschließen, wenn wir unseren Horizont erweitern.
In den Naturwissenschaften, insbesondere in der Physik entsprechen diesen “neuen Räumen” ungeahnte, unerforschte Dimensionen, die sich dann auftun, wenn wir unsere Position verändern und zum Beispiel einen neuen, erhabeneren Standpunkt einnehmen. Mit etwas Glück eröffnet sich uns von dieser höheren Warte aus dann plötzlich eine ganz neue  Sicht auf die Welt  und die noch ungelösten Probleme. Eine Sicht, die weit über den bisherigen Horizont hinausgehen kann.
  
Ich bin überzeugt, genau das ist auch das innigste Bestreben und die wahre Seele eines jeden Wissenschaftlers: Von allen möglichen die beste der Perspektiven zu finden u
m so die Fragen beantworten und die Rätsel lösen zu können, die uns zuvor – allein beschränkt durch den eigenen Horizont  –  noch absolut unlösbar erschienen sind. Wie von alleine erschließen sich dadurch ganz neue Räume  und es eröffnen sich bisher  noch vollkommen ungeahnte Dimensionen.

Markus Niggl, Gründer und Leiter der Akademie Olympia 2.0

… und was ist dahinter?

 

Diese einfache Frage begleitet mich schon mein ganzes Leben lang!
Ich bin in der Bergen aufgewachsen und in kalten klaren Winternächten ist der Himmel dort ganz besonders dunkel, vor allem bei Neumond und noch viel mehr,  wenn man die Nacht auf einem Berggipfel verbringt.  Durch das fehlende Streulicht und die kalte, trockene Luft kann man dann besonders viele Sterne sehen und bekommt den Eindruck, dass man so viel weiter und tiefer ins Weltall schauen kann, als das vom Tal aus möglich wäre. Und in solchen Situationen steigt  sie dann immer wieder auf in mir  –  die große Frage:
“Ist es unendlich, oder hat es einen Rand?” Und falls es einen Rand hat:   “was ist dann dahinter?”

Gemeint ist natürlich unser Universum!  (Fortsetzung folgt…!)

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Ich habe keine besondere Begabung,
ich bin nur leidenschaftlich neugierig.

Albert Einstein  1879  –  1955